Heidelberg, Herbst
Warmes Licht. Kastanien, orange. Ihre Augen blau.
Kaum ein Herbst war schöner gewesen als dieser in Heidelberg. Hier geht die Sonne am schönsten unter. Hier verlor ich mein Herz, gewann es zurück und ließ einen Teil davon.
Wir hatten alles gebucht, was man buchen kann, wenn man beweisen will, dass man sich liebt. Airbnb. Schlosskasse. Foto unter dem Hochzeitsbogen, Hände verschränkt wie auf einem Bild. Im Schlossgarten das Moos auf den Steinen. Die Stille, die man für Romantik hält.
Heidelberg ist laut und eng und stolz auf seine verliebten Papageien. Auch wenn sie eine Plage sind.
Sie wollte Luft rauslassen. Ich wollte Matteo sehen.
Er hatte das, worüber wir stritten. Weißes. Fünfzig Euro.
Nach zwei Minuten lenkte ich ein.
Nach fünf Minuten schlug es ein.
Sie stand am Geländer. Die Stadt unten. Lautstärke, dann Stille, dann Lautstärke — so wie immer in dieser Stadt, so wie immer zwischen uns. Sie war laut und verzweifelt. Ich erklärte. Das ist das Wort, das ich dafür benutze.
Die Papageien flogen durch das Abendlicht.
Grün vor Orange.
Niemand bat sie zu bleiben.
C-M-B, Heidelberg, Herbst 2024
02:22 – an Sie
Du schläfst.
Ich bin noch in der Halle.
Alte Teppichfabrik. Loft.
Kalter Beton. Öl in der Luft.
Neon, das alles gleich macht.
Kein Licht, das lügt.
Ich ziehe Linien.
Immer wieder. Gerade.
Bis die Hand übernimmt.
Der Zweifel steht im Raum.
Er arbeitet mit.
Um sechs heult die Sirene.
Frühschicht.
Körper durch Drehkreuze.
Zeit wird gezählt.
Ich höre auf.
Ohne Signal.
Nicht ohne System.
Diese Halle hat produziert.
Meterware.
Für Räume,
die jemand besitzen wollte.
Jetzt: Bilder.
Öl wird Preis.
Wiederholung wird Wert.
Kein Zufall.
Später: Parkett.
Stille Räume.
Nebenan: Schichtdienst.
Kein Parkett.
Ich stehe dazwischen.
Nicht sauber.
Wenn jemand viel zahlt,
kommt Ruhe.
Und Gewicht.
Geld bewegt sich.
Nicht hier stehen geblieben.
Kunst ist nicht draußen.
Sie greift rein.
Der Widerspruch bleibt
in den Händen.
Pigment. Preis.
Du fragst nicht nach Rendite.
Du fragst, was trägt.
Was trägt,
sind Menschen,
die nicht verwechseln:
Pose und Entscheidung.
Zwischen zwei Welten
heißt nicht vermitteln.
Heißt:
bleiben.
Ich arbeite hier.
Ich verkaufe dort.
Dazwischen:
Reibung.
Vielleicht reicht das.
Es ist drei Uhr.
Noch drei Stunden.
C-M-B, 29. August 2025